Der Moment der Wahrheit: Wie KI heute Kaufentscheidungen prägt
In unserer mehrstufigen Untersuchung gaben 28 Teilnehmende vor, welche Marken sie für den Kauf eines bestimmten Produkts in Betracht ziehen würden. Danach ließen wir sie mit Hilfe moderner KI-Tools Produkte recherchieren – so, wie es heutige Konsumenten immer häufiger tun. Am Ende der Recherchesitzung fragten wir erneut ab, welche Marke sie nun tatsächlich bevorzugen.
Das Ergebnis hat uns selbst überrascht: Große Traditionsmarken wie General Electric – bislang gesetzt im Kopf der Käufer:innen – verloren mehr als die Hälfte ihrer Markenerwägungen, sobald die KI ins Spiel kam. Dafür schafften es bislang weitgehend unbekannte Marken wie Rheem, plötzlich in die erste Reihe der Kaufwahrscheinlichkeit.
Beispiel aus der Praxis: Markenkraft vor und nach der KI-Recherche
Vor dem Einsatz von KI galt GE für viele Befragte als "die" Marke für Haushaltsgeräte. Nach nur einer KI-gestützten Produktsuche fiel die Anzahl derer, die GE kaufen wollten, auf weniger als die Hälfte. Parallel dazu entstanden für bislang wenig beachtete Marken echte Chancen: Rheem etwa wurde nach der Prompt-basierten KI-Recherche plötzlich viel häufiger als Kaufoption genannt.
Wieso verändert KI die Wahrnehmung von Marken so radikal?
Es liegt in der Art, wie Künstliche Intelligenz arbeitet: Sie nimmt unabhängig von Vorwissen eine Vielzahl an Produkten und Marken in den Blick – ohne emotionale Bindung, dafür mit enormer Geschwindigkeit und Aktualität. Viele Nutzer:innen formulieren ihren Prompt generisch ("Welche Wärmepumpe eignet sich für meine Familie?") und lassen die Auswahl offen. Die Empfehlung der KI basiert dann nicht auf Bekanntheit oder Werbedruck, sondern auf nachvollziehbaren technischen Argumenten, Nutzerbewertungen oder von ihr gewichteten Kriterien.
Gerade für bekannte Marken ist das eine Gefahr – denn Unsichtbarkeit im KI-Antwort-Set bedeutet, dass jahrzehntelange Markenarbeit aus einer einzigen Konsumentscheidung ausgelöscht werden kann. Das Vertrauen, das über Jahre aufgebaut wurde, droht binnen Minuten zu verpuffen.
Was bestimmt, welche Marke die KI empfiehlt?
Viele große Marken neigen in ihrer Kommunikation dazu, Produktvorteile sehr technisch und abstrakt zu beschreiben. Die KI hingegen „denkt“ auf Basis dessen, was sie aus Nutzerfragen, Foren und Erfahrungsberichten im Netz aufnimmt. Heutige Konsumenten suchen nach konkreten Lösungen für Alltagsprobleme: „Wie viele Personen bekommen mit diesem Wasserboiler gleichzeitig heißes Wasser?“ Wer als Marke hier überzeugend auftritt, wird auch von der KI häufiger empfohlen – unabhängig vom bisherigen Markenstatus.
Die Chancen für Herausforderer: Günstiger ins Relevant-Set der Konsumenten
Bisher war es für kleinere Wettbewerber oder Nischenanbieter extrem aufwendig, überhaupt ins Blickfeld der breiten Käuferschaft zu gelangen. KI-basierte Produktempfehlungen brechen diese Barriere auf: Wer mit smartem Content, klaren Argumenten und Nutzerzentrierung punktet, kann maßgeblich an Relevanz gewinnen – selbst, wenn vorher niemand den Namen kannte.
Du solltest ab sofort gezielt beobachten, ob und wie deine Marke in KI-Antworten erscheint. Dazu reicht es nicht, sporadisch nach Erwähnungen zu suchen. Entscheidend ist, ob deine Produkte in konkreten Aufgabenstellungen („Welcher Kühlschrank taugt für eine vierköpfige Familie?“) empfohlen werden. Denn dort, wo reale Kaufentscheidungen getroffen werden, zählt nur eines: Sichtbarkeit an genau diesem Touchpoint.
Sichtbarkeit allein reicht nicht – Es zählt die „Wählbarkeit“
Ein entscheidender Unterschied, den unser Test bestätigt: Es reicht nicht, wenn deine Marke genannt wird. Sie muss auch zu den Lösungen gehören, die die KI als besonders geeignet für den jeweiligen Nutzungsfall bewertet. Sonst verlierst du an „Choosability“, also an tatsächlicher Kaufwahrscheinlichkeit – und das ist das einzige, was Umsatz bringt.
KI-Empfehlungen verändern das Spiel: Handlungsempfehlungen für Marken
Wenn du heute deine Marke vor plötzlicher Bedeutungslosigkeit schützen willst, solltest du deine Digitalstrategie anpassen. Überprüfe, in welchen Produktkategorien du mit spezifischen Anwendungsfällen und praxisnahen Inhalten überzeugst. Verstehe, wie die KI denkt: Sie priorisiert oft die Sprache, die Kund:innen selbst nutzen und sucht nach authentischen Erfahrungswerten. Sprich also nicht nur in Fachtermini, sondern übersetze Produktvorteile in echte Erlebnisse.
Es lohnt sich, in eigene Produkttests, Anwendungsbeispiele und Daten zu investieren, die häufig gestellte Nutzerfragen beantworten. Videoinhalte, in denen du „Wie lange reicht das heiße Wasser beim Duschen mit vier Personen?“ praktisch vorführst, sind der neue Goldstandard für KI-gestützte Markenpräsenz.
Markenführung im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz – Frag dich:
Taucht deine Marke in den ersten Empfehlungen auf, wenn jemand per KI nach Lösungen sucht? Wie bewerten Rezensionen, Foren und echte Nutzer:innen dein Produkt im Netz? Und: Sind deine Inhalte so präzise und kundenzentriert, dass die KI sie als führend einstuft?
Was Markenmacher jetzt wissen sollten: Das neue Regelwerk der Sichtbarkeit
Künstliche Intelligenz rüttelt an einem uralten Prinzip: Markenbekanntheit war lange Zeit ein schwer einzuholender Vorteil. Heute genügt ein einziger Prompt, um etablierte Markenhierarchien aufzulösen. Für Herausforderer bietet das eine einmalige Eintrittschance in begehrte Märkte. Für Platzhirsche dagegen ist es ein Risiko, das nicht unterschätzt werden darf.
Umso wichtiger ist es, dass du jetzt aktiv wirst: Analysiere, wie dein Produkt in KI-Antworten empfohlen wird. Optimiere deine Inhalte entlang realer Nutzerprobleme und wähle Keywords, die im Alltag deiner Zielgruppen tatsächlich eine Rolle spielen. So sicherst du deiner Marke auch im KI-Zeitalter einen festen Platz im Relevant-Set deiner Kund:innen.
Fazit: Deine Marke lebt – oder stirbt – heute am KI-Touchpoint
Die Ergebnisse unserer Marktforschung zeigen: Das Machtgefüge im Marketing ist im Wandel. Sichtbarkeit und Wählbarkeit beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz entscheiden direkt über Umsatz oder Bedeutungsverlust. Die Chance für alle, die ihre Hausaufgaben machen: Mit kluger Content-Strategie kannst du jahrzehntelange Wettbewerbsvorsprünge tatsächlich binnen einer einzigen KI-Prompt aufbrechen – oder deine Position in Rekordzeit verteidigen beziehungsweise ausbauen.