Der steile Aufstieg der ChatGPT Ads – Zahlen, Branchen, Trends
Gerade einmal drei Tage nach dem Launch der ersten ChatGPT-Anzeigen zogen die Analysten erste Bilanz: Nur 7 Prozent der beobachteten Antworten enthielten überhaupt eine Werbeanzeige. Zwei Wochen später ein ganz anderes Bild – bereits 77 Prozent aller getrackten Antworten waren mit einer Anzeige versehen. Innerhalb kürzester Zeit explodierte nicht nur die Quantität der Ads, sondern auch die Vielfalt der teilnehmenden Marken und Unternehmen.
Diese Entwicklung bestätigt, dass ChatGPT Ads nicht länger ein reines Experiment weniger Early Adopter sind. Inzwischen lassen sich Werbeplätze für praktisch jede Branche finden – von B2B-Software über Versicherungen bis hin zu Reise & Hospitality und Energieunternehmen. Zwar dominieren aktuell noch Anbieter wie SaaS-Plattformen und Cybersecurity-Lösungen, aber die Entwicklung signalisiert: Die großen Werbeslots sind offen, das Rennen um die Aufmerksamkeit der Nutzer hat begonnen.
Der Funnel ist dabei breit: Während 38,7 Prozent der Einblendungen sogenannte Evaluation Prompts abdecken, bleibt auch Awareness und Beratungs-Content mit rund 43 Prozent ein wichtiger Bereich. Das spricht dafür, dass Advertiser das Potenzial von ChatGPT Ads sowohl zum Leadgenerieren als auch für klassisches Branding erkannt haben. Für dich als Markenverantwortlicher ergeben sich daraus klare Ansatzpunkte – egal, an welcher Stelle du Kampagnen positionieren willst.
Erste Schwerpunkte im Branchenvergleich
Besonders schnell haben Technologieunternehmen das neue Spielfeld für sich entdeckt. Software-Unternehmen kommen auf mehr als 21 Prozent aller gemessenen Einblendungen, dicht gefolgt von Cybersecurity-Lösungen und Vergleichsportalen. Was auffällt: Versicherer, Finanzdienstleister und auch Bildungsanbieter holen stark auf – ein klares Signal, dass ChatGPT Ads das Potenzial hat, sich auf breiter Front als relevante Schnittstelle zwischen Marke und Konsument zu etablieren.
Für Konsumgüter, Dienstleistungen, Marketingagenturen und Gesundheitsanbieter sind die ersten Wochen eine enorme Gelegenheit, Terrain zu sichern, solange viele Marken das Potenzial noch nicht erkannt haben. Genau hier können mutige Early Movers einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil erzielen.
Branded Prompts: Noch immer wenig umkämpft – Chance für smarte Marken
Ein überraschender Befund in den ersten Daten: Die allermeisten Marken sichern sich ihre eigenen Prompt-Antworten noch nicht aktiv via Anzeigenplatzierung. Zwei Wochen nach dem Start der ChatGPT Ads liegen die Zahlen immer noch bei nur 7,3 Prozent, bei denen die Marke gezielt auf die eigene Brand-Antwort mit einer Anzeige präsent ist. Zusammengenommen bedeutet das: 9 von 10 Gelegenheiten sind für die eigene Marke noch nicht reserviert.
Für dich als Marketer ergibt sich daraus ein sofort nutzbarer Hebel: Die proprietären Suchanfragen nach deiner Marke oder deinen Produkten sind bislang kaum umkämpft – deine Mitbewerber können diese Gelegenheit jederzeit nutzen und dir den Rang ablaufen. Monitoring beschränkt sich deshalb nicht mehr nur darauf, was ChatGPT zu deiner Marke ausspielt, sondern auch darauf, welches andere Unternehmen die Chance erkennt und prompt einen Alternativvorschlag unter deine Empfehlung platziert.
Bedeutung für Branding und Performance
Diese neue Situation verlangt von dir klare strategische Entscheidungen. Wie im klassischen SEA solltest du nicht nur auf generische Begriffe, sondern unbedingt auch auf markenspezifische Anfragen bieten. So verteidigst du im neuen Ökosystem deine Position im letzten Schritt der Customer Journey – bevor ein anderer Mitbewerber den User auf eine Gegenspur lenkt.
Nur selten Überschneidungen zwischen Anzeige und empfohlener Marke
Spannend: Gerade einmal 5 Prozent der ausgespielten ChatGPT-Ads stammen tatsächlich von derjenigen Marke, die auch in der KI-Antwort als Empfehlung auftaucht. Noch seltener wird der Advertiser sogar als Quelle zitiert. Das erzeugt ein neues Spannungsverhältnis im digitalen Marketing: ChatGPT empfiehlt eine Marke – doch direkt darunter lauert schon die Werbefläche eines ganz anderen Anbieters.
Davon profitierst du in verschiedenen Szenarien: Falls du (noch) nicht in den organischen Empfehlungen auftauchst, bieten die Ads einen Shortcut, sichtbar und relevant zu werden. Bist du hingegen die empfohlene Marke, musst du neu lernen, wie du sowohl im KI-Content als auch im Umfeld der Ads die Kontrolle behältst. Oft entscheidet die Qualität des Kontext-Targetings, ob deine Anzeige zum entscheidenden Dialog passt.
Verbesserte Kontextpassung: ChatGPT Ads werden präziser
Ein zentraler Kritikpunkt der ersten Anzeigeformate war oft die mangelnde Passung zwischen Werbeinhalten und tatsächlichen Nutzerfragen. Inzwischen zeigt sich eine positive Tendenz: Nur noch 4 Prozent aller Anzeigen stehen völlig ohne inhaltlichen Bezug zur Antwort im Chat. Fast 60 Prozent der Ads spielen sich zumindest im thematischen Umfeld ab – Tendenz steigend. Zwar gibt es weiterhin Ansätze, bei denen Werbung breit gestreut wird, doch die erfolgreichen Early Adopter setzen bereits gezielt auf kontextstarke Werbung in spezifischen Kategorien.
Das Zusammenspiel aus KI-Content und Werbeposition fordert von dir ein sensibles Feintuning. Mit kluger Kontextarbeit gelingt es, die Lücke zwischen Anzeige und KI-Antwort zu schließen – und so die Schnittmenge der relevanten Impressionen konstant zu erhöhen.
Vom Display-Ansatz zum Search-Gedanken
Während einige Werbetreibende noch wie im klassischen Display-Advertising rein auf Sichtbarkeit setzen, entstehen zunehmend Strategien, die sich aus Suchmaschinenlogik und Zielgruppenkenntnis speisen. Je besser du weißt, auf welche Prompts du tatsächlich erscheinen möchtest – und wie das organische Meinungsbild zu deinem Produkt aussieht – desto erfolgreicher steuerst du deine Anzeigenbudgets.
Aggregatoren und Affiliates – Wer kauft sich zurück ins Rampenlicht?
Ein neues Phänomen, das in den Daten klar heraussticht: Affiliate- und Vergleichsportale (etwa BestMoney oder Top10) belegen bereits über 11 Prozent der gesichteten Werbeplätze. Interessant hieran: Oft gelingt ihnen die Kontextpassung sogar besser als den direkten Markenanbietern. Mit hoher thematischer Nähe sichern sie sich so relevante Sichtbarkeit – nachdem sie im klassischen SEO zuletzt verloren hatten.
Die spannende Frage für dich lautet: Sind hier einfach Werbeslots ungenutzt, oder betreiben Aggregatoren bereits aktives Bieterverhalten, um sich den Werbeplatz offensiv zu sichern? In jedem Fall erhöht das die Preise für alle, die ebenfalls in diesem Umfeld auftreten wollen. Dieser Konkurrenzdruck wird in den nächsten Monaten deutlich spürbar anziehen.
Handlungsempfehlungen für Marken – jetzt strategisch agieren
Angesichts dieser Entwicklungen empfiehlt es sich, möglichst bald ein gezieltes Monitoring und Testing aufzusetzen. Die wichtigsten Schritte für dich als Marketer beginnen dabei mit einer einfachen Eigenanalyse:
Recherchiere mit den für deine Marke relevanten Prompts direkt in ChatGPT, welche Antworten erscheinen – und welche Ads derzeit geschaltet werden. Analysiere, wie deine Marke im KI-Content positioniert ist und ob Wettbewerber bereits Anzeigen auf deine eigenen Brand-Prompts schalten. Lerne, wie organischer und bezahlter Content im Zusammenspiel die Wahrnehmung deiner Produkte beeinflussen.
Wichtig ist, mit einer klaren Teststruktur in den Werbepiloten zu starten – nicht einfach mit einem Budget. Definiere, welche Ansätze und Funnel-Stufen du prüfen willst, ob du Reichweite einkaufen oder gezielt Kontextpassung testen möchtest. Nur so lassen sich aus den Experimenten wirkliche Learnings generieren.
Der ChatGPT-Anzeigenmarkt wird sich weiter rasant wandeln. Neue Targeting-Optionen, dynamische Formate und Listentargeting sind bereits in den Startlöchern. Überwache deshalb wöchentlich die Entwicklung und halte deine Strategie flexibel. Denn was heute im ChatGPT-Ökosystem funktioniert, kann in wenigen Wochen schon wieder überholt sein.
Fazit – ChatGPT Ads als Spielfeld der nächsten Marketing-Generation
Die erste Auswertung von Our Early View of ChatGPT Ads: 5 Initial Observations zeigt: Wer jetzt aufmerksam agiert, kann mit smarten Experimenten und konsequentem Monitoring signifikante Wettbewerbsvorteile erzielen. Die Natur von AI-Search verwandelt sich, Paid und Organisch verschmelzen direkt im Nutzer-Dialog. Für dich bedeutet das, gleichzeitig am eigenen KI-Footprint zu arbeiten und das neue Werbeumfeld aktiv zu bespielen. Deine Markenwahrnehmung und Sichtbarkeit hängen mehr denn je am strategischen Zusammenspiel von Antwort- und Anzeigenlogik. Jetzt ist der Moment gekommen, den Platz in der AI-gestützten Customer Journey konsequent zu besetzen.