Dashboards leiden selten an zu wenig Zahlen, sondern an zu vielen. Marketing-KPIs helfen dir, aus dieser Datenflut die wenigen Kennzahlen herauszufiltern, die wirklich zeigen, ob dein Marketing Umsatz bringt. Dieser Leitfaden ordnet die wichtigsten Kennzahlen nach Funnel-Phase, liefert die Formeln für CAC, CLV, ROAS, Churn und MRR und zeigt, wie du auch deine Sichtbarkeit in KI-Antworten messbar machst.
Was sind Marketing-KPIs?
Ein Key Performance Indicator (KPI) ist eine Kennzahl, die direkt anzeigt, ob du ein wichtiges Ziel erreichst. KPIs im Marketing übersetzen deine Marketingziele in messbare Größen: Gewinnst du genug neue Kunden? Zu welchen Kosten? Bleiben sie?
Nicht jede Zahl ist ein KPI. Seitenaufrufe, Follower oder Öffnungsraten sind zunächst nur Metriken. Zum KPI wird eine Metrik erst, wenn sie an ein Geschäftsziel gekoppelt ist, einen Zielwert hat und jemand dafür verantwortlich ist.
KPI, Metrik, Zielwert: Die Unterschiede
- Metrik: jede messbare Größe, etwa Sitzungen oder Klicks.
- KPI: eine ausgewählte Metrik, die den Fortschritt zu einem Ziel abbildet, etwa Kundenakquisitionskosten.
- Zielwert: die konkrete Marke, die du erreichen willst, etwa „CAC unter 400 Euro bis Ende Q2″.
Diese Unterscheidung klingt akademisch, entscheidet aber über die Qualität deiner Steuerung. Wer alles zum KPI erklärt, steuert am Ende nichts.
Marketing-KPIs nach Funnel-Phase
Am klarsten werden Kennzahlen, wenn du sie entlang der Customer Journey ordnest. Jede Phase im Marketing Funnel hat eigene Fragen und damit eigene KPIs.
Awareness: Wirst du wahrgenommen?
- Reichweite und Impressionen: Wie viele Menschen sehen deine Inhalte und Anzeigen?
- Markensuchen (Branded Search): Wie oft suchen Menschen gezielt nach deinem Markennamen? Steigende Markensuchen sind ein solides Signal für wachsende Bekanntheit.
- Share of Voice: Welchen Anteil an Sichtbarkeit, Erwähnungen oder Werbedruck hast du im Vergleich zum Wettbewerb?
- Organische Sichtbarkeit: Rankings, Impressionen in der Google Search Console und Nennungen in KI-Antworten.
Consideration: Interessieren sich die Richtigen?
- Klickrate (CTR): Klicks ÷ Impressionen × 100.
- Engagement-Rate: In GA4 der Anteil der Sitzungen mit Interaktion, also längerer Verweildauer, mehreren Seitenaufrufen oder einem Schlüsselereignis.
- Conversion-Rate: Conversions ÷ Besucher × 100. Wie du sie systematisch verbesserst, zeigt unser Leitfaden zur Conversion-Rate-Optimierung.
- Cost per Lead (CPL): Marketingkosten einer Kampagne ÷ Zahl der gewonnenen Leads.
Conversion: Wird aus Interesse Umsatz?
- MQL und SQL: Ein Marketing Qualified Lead erfüllt die Kriterien des Marketings (passendes Profil, ausreichendes Interesse). Ein Sales Qualified Lead hat der Vertrieb geprüft und als echte Verkaufschance akzeptiert.
- MQL-zu-SQL-Quote: SQL ÷ MQL × 100. Sie zeigt, ob Marketing und Vertrieb dieselbe Vorstellung von einem guten Lead haben.
- Abschlussquote (Win Rate): gewonnene Deals ÷ alle abgeschlossenen Opportunities × 100.
- Customer Acquisition Cost (CAC): was dich ein neuer Kunde kostet.
- ROAS und ROI: wie viel Umsatz und Gewinn deine Ausgaben zurückbringen.
Retention: Bleiben deine Kunden?
- Churn-Rate: Anteil der Kunden oder des Umsatzes, den du in einem Zeitraum verlierst.
- Retention-Rate: der Gegenwert, also der Anteil, der bleibt.
- Customer Lifetime Value (CLV): der Wert eines Kunden über die gesamte Geschäftsbeziehung.
- Net Revenue Retention (NRR): wie sich der Umsatz einer Bestandskundenkohorte inklusive Upgrades und Kündigungen entwickelt.

Die wichtigsten Formeln für Marketing-KPIs
Viele Diskussionen über Zahlen sind in Wahrheit Diskussionen über Definitionen. Schreibe deshalb für jede Kennzahl fest auf, wie du sie berechnest. Diese Formeln haben sich etabliert:
Customer Acquisition Cost (CAC)
CAC = (Marketingkosten + Vertriebskosten) ÷ Zahl der Neukunden
Rechenbeispiel: Du gibst im Quartal 60.000 Euro für Marketing und 40.000 Euro für Vertrieb aus und gewinnst 250 Neukunden. Dein CAC liegt bei 400 Euro. Lege fest, ob Gehälter, Tools und Agenturkosten einfließen. Viele Teams rechnen zusätzlich einen reinen Paid-CAC, der nur Mediabudget berücksichtigt.
Customer Lifetime Value (CLV)
CLV = durchschnittlicher Umsatz pro Kunde und Monat × Bruttomarge × durchschnittliche Kundendauer in Monaten
Im Abo-Geschäft lässt sich die Kundendauer über die Churn-Rate schätzen: CLV = durchschnittlicher Monatsumsatz pro Kunde × Bruttomarge ÷ monatliche Churn-Rate. Bei 100 Euro Monatsumsatz, 80 Prozent Marge und 2 Prozent monatlicher Churn ergibt das 4.000 Euro.
CLV-zu-CAC-Verhältnis und Amortisation
CLV:CAC = CLV ÷ CAC zeigt, ob sich Kundengewinnung lohnt. Der SaaS-Investor David Skok nennt in seinem Grundlagentext „SaaS Metrics 2.0″ ein Verhältnis über 3 als Merkmal der besten SaaS-Unternehmen. Er empfiehlt außerdem, den CAC in weniger als 12 Monaten zurückzuverdienen. Viele der besten Firmen schaffen das laut Skok in 5 bis 7 Monaten.
CAC-Amortisation in Monaten = CAC ÷ (Monatsumsatz pro Kunde × Bruttomarge)
ROAS und ROI
- ROAS (Return on Ad Spend) = Umsatz aus Anzeigen ÷ Werbekosten. Ein ROAS von 4 bedeutet vier Euro Umsatz pro Werbe-Euro.
- ROI (Return on Investment) = (Gewinn aus der Maßnahme − Kosten) ÷ Kosten × 100.
Der Unterschied ist wichtig. ROAS betrachtet Umsatz, nicht Gewinn. Ein ROAS von 4 kann bei niedriger Marge trotzdem Verlust bedeuten. Für organische Kanäle findest du die passende Rechnung in unserem Beitrag zum SEO-ROI.
Churn-Rate
Kunden-Churn = verlorene Kunden im Zeitraum ÷ Kunden zu Beginn des Zeitraums × 100
Ergänze die Kundensicht um den Umsatz-Churn, also den verlorenen wiederkehrenden Umsatz. Verlierst du viele kleine Kunden, aber kaum große, sieht die Kundenquote dramatischer aus als die Umsatzentwicklung.
SaaS-KPIs: Was im Abo-Geschäft zählt
Für Software-as-a-Service-Unternehmen verschieben sich die Prioritäten. Der Umsatz entsteht nicht beim Abschluss, sondern Monat für Monat. Damit rücken Bindung und Ausbau der Kundenbeziehung in den Mittelpunkt.
- MRR (Monthly Recurring Revenue): die Summe aller monatlich wiederkehrenden Umsätze. Einmalzahlungen wie Setup-Gebühren gehören nicht hinein.
- ARR (Annual Recurring Revenue): MRR × 12, vor allem bei Jahresverträgen gebräuchlich.
- MRR-Bewegungen: Neuer MRR, Expansion-MRR (Upgrades), Contraction-MRR (Downgrades) und Churn-MRR zeigen, woher Wachstum kommt.
- Net Revenue Retention: (MRR zu Beginn + Expansion − Contraction − Churn) ÷ MRR zu Beginn × 100. Ein Wert über 100 Prozent bedeutet, dass deine Bestandskunden auch ohne Neukunden wachsen.
- Trial-to-Paid-Rate: Anteil der Testnutzer, die zu zahlenden Kunden werden.
- Aktivierungsrate: Anteil neuer Nutzer, die den zentralen Nutzen des Produkts erleben, etwa das erste Projekt anlegen oder Teammitglieder einladen.
- Product Qualified Leads (PQL): Nutzer, deren Verhalten im Produkt auf Kaufbereitschaft hindeutet.
Diese SaaS-KPIs entfalten wie alle Marketing-KPIs ihren Wert erst im Zusammenspiel. Steigen Testanmeldungen, aber nicht der MRR, liegt das Problem meist in Aktivierung oder Onboarding. Sinkt der CAC, während die Churn-Rate steigt, gewinnst du womöglich die falschen Kunden.
KPIs für KI-Sichtbarkeit
Ein wachsender Teil der Recherche passiert in ChatGPT, Gemini, Perplexity oder Googles KI-Modus. Dort entstehen Shortlists, bevor jemand deine Website besucht. Klassische Marketing-KPIs erfassen diese Phase kaum. Diese Kennzahlen schließen die Lücke:
- Erwähnungsrate (Mention Rate): In wie vielen Antworten auf einen festen Satz relevanter Prompts wird deine Marke genannt?
- Zitationsrate: Wie oft verlinken oder zitieren KI-Systeme deine Domain als Quelle?
- KI-Share-of-Voice: dein Anteil an allen Markennennungen in diesen Antworten im Vergleich zum Wettbewerb.
- Tonalität und Positionierung: Wird deine Marke korrekt und positiv beschrieben, und für welche Anwendungsfälle?
- KI-Referral-Traffic: Besuche, die aus KI-Assistenten kommen, sowie deren Conversion-Rate.
Für Google gibt es inzwischen offizielle Daten. Im Juni 2026 hat Google eigene Berichte für generative KI-Funktionen in der Search Console vorgestellt. Sie zeigen Impressionen in AI Overviews und im KI-Modus, aber keine Klicks. Wie du alle diese Werte sauber erhebst, beschreibt unser Leitfaden KI-Sichtbarkeit messen.
Behandle KI-KPIs als Frühindikatoren. Sie erklären, warum Markensuchen oder direkte Anfragen steigen, ersetzen aber keine Umsatzkennzahlen.

Kanal-KPIs: Was du pro Kanal misst
Neben den übergreifenden Marketing-KPIs braucht jedes Kanalteam eigene Kennzahlen für die tägliche Arbeit. Wichtig ist, dass sie sich auf die übergeordneten Ziele zurückführen lassen.
- SEO: organische Klicks und Impressionen, Rankings für Geschäftskeywords, organische Conversions und Umsatz aus organischem Traffic.
- Suchmaschinenwerbung: CTR, Kosten pro Klick, Conversion-Rate, Kosten pro Conversion und ROAS je Kampagne.
- Social Media: Reichweite, Interaktionsrate, Klicks auf die Website und bei bezahlten Kampagnen Kosten pro Lead.
- E-Mail-Marketing: Klickrate, Conversion-Rate pro Versand, Abmelderate und Umsatz pro Empfänger. Öffnungsraten sind seit Datenschutzfunktionen wie Apple Mail Privacy Protection nur noch eingeschränkt aussagekräftig.
- Content-Marketing: Besuche auf Ratgeberseiten, Anteil wiederkehrender Leser, über Inhalte gewonnene Leads und deren spätere Abschlussquote.
- PR und Markenaufbau: Erwähnungen in relevanten Medien, Markensuchen und Nennungen in KI-Antworten.
Achte darauf, dass Kanal-KPIs nicht gegeneinander arbeiten. Wenn das SEA-Team auf niedrige Kosten pro Lead optimiert und das Vertriebsteam über schwache Leads klagt, fehlt die gemeinsame Zielgröße weiter unten im Funnel.
Wie oft du welche KPIs prüfen solltest
Nicht alle Marketing-KPIs brauchen tägliche Aufmerksamkeit. Ein bewährter Rhythmus sieht so aus:
- Täglich oder wöchentlich: Kampagnen-KPIs wie Budgetverbrauch, CTR und Kosten pro Conversion, damit du schnell gegensteuern kannst.
- Monatlich: Funnel-KPIs wie Leads, MQL-zu-SQL-Quote, CAC und MRR-Entwicklung.
- Quartalsweise: strategische Kennzahlen wie CLV:CAC, Net Revenue Retention, Markensuchen und KI-Share-of-Voice.
So wählst du die richtigen Marketing-KPIs aus
Es gibt kein universelles Set an Marketing-KPIs. Ein Onlineshop steuert anders als ein B2B-Softwareanbieter mit sechsmonatigem Verkaufszyklus. Mit diesen Schritten findest du deine Auswahl:
- Vom Geschäftsziel ausgehen: Willst du Marktanteile gewinnen, profitabler werden oder Bestandskunden ausbauen? Jedes Ziel verlangt andere Kennzahlen.
- Eine Leitkennzahl festlegen: Viele Teams arbeiten mit einer North Star Metric, die den Kundennutzen und das Geschäftsziel gleichzeitig abbildet, etwa aktive zahlende Kunden.
- Frühindikatoren und Ergebnisgrößen kombinieren: Ergebnisgrößen wie Umsatz reagieren spät. Frühindikatoren wie SQLs oder Erwähnungsrate zeigen früher, ob du auf Kurs bist.
- Auf wenige KPIs begrenzen: Für die Geschäftsführung reichen meist fünf bis sieben Kennzahlen. Operative Teams dürfen mehr Detail sehen.
- Definition, Zielwert und Verantwortung festhalten: Jede Kennzahl braucht eine schriftliche Formel, eine Datenquelle, einen Zielwert und eine Person, die sie verantwortet.
- Regelmäßig prüfen: Ändern sich Strategie oder Geschäftsmodell, müssen auch die KPIs angepasst werden.
Die ausgewählten Kennzahlen gehören in ein übersichtliches Marketing-Dashboard, das Management und Team die jeweils passende Detailtiefe bietet.
Typische Fehler bei Marketing-KPIs
Vanity Metrics
Vanity Metrics sind Zahlen, die gut aussehen, aber keine Entscheidung unterstützen. Follower, Seitenaufrufe, Impressionen oder Newsletter-Öffnungen steigen leicht und fühlen sich nach Erfolg an. Ob sie zu Umsatz führen, verraten sie nicht. Frage bei jeder Kennzahl: Würde ich etwas anders machen, wenn sie sich halbiert?
Weitere Fallstricke
- Kennzahlen isoliert betrachten: Ein sinkender CPL ist kein Erfolg, wenn gleichzeitig die MQL-zu-SQL-Quote einbricht.
- Uneinheitliche Definitionen: Wenn Marketing und Vertrieb unterschiedlich zählen, was ein Lead ist, streiten beide über Zahlen statt über Maßnahmen.
- Last-Click-Denken: Wer nur den letzten Kontakt bewertet, unterschätzt Kanäle wie Content, PR oder Social Media, die früh in der Journey wirken.
- Zu kurze Zeiträume: Monatswerte schwanken. Bewerte Trends über mehrere Perioden und vergleiche mit dem Vorjahr.
- Datenlücken ignorieren: Consent-Banner, Werbeblocker und KI-Recherche ohne Klick sorgen dafür, dass deine Webanalyse nie alles sieht. Benenne diese Lücken offen, statt Scheingenauigkeit zu verkaufen.
- KPIs ohne Konsequenz: Eine Kennzahl, die niemand bespricht und auf die niemand reagiert, kannst du streichen.

Fazit: Wenige Marketing-KPIs, klar definiert
Marketing-KPIs sind dann wertvoll, wenn sie Entscheidungen auslösen. Ordne deine Kennzahlen entlang des Funnels, definiere jede Formel schriftlich und verbinde Frühindikatoren mit Ergebnisgrößen wie CAC, CLV und Umsatz. Im Abo-Geschäft verdienen MRR, Churn und Net Revenue Retention besondere Aufmerksamkeit.
Neu hinzu kommen KPIs für die KI-Sichtbarkeit, weil Kaufentscheidungen immer öfter in KI-Assistenten vorbereitet werden. Wer diese Phase früh misst, versteht besser, warum Nachfrage entsteht. Starte mit einer kurzen Liste, prüfe sie jedes Quartal und streiche konsequent, was niemand nutzt.
Häufige Fragen zu Marketing-KPIs
Was sind Marketing-KPIs?
Marketing-KPIs sind ausgewählte Kennzahlen, die zeigen, ob du deine Marketingziele erreichst, etwa Kundenakquisitionskosten, Customer Lifetime Value oder ROAS. Eine Metrik wird erst zum KPI, wenn sie an ein Geschäftsziel, einen Zielwert und eine verantwortliche Person gekoppelt ist.
Welche Marketing-KPIs sind die wichtigsten?
Das hängt vom Geschäftsmodell ab. Für die meisten Unternehmen gehören CAC, CLV, das Verhältnis CLV zu CAC, die Conversion-Rate, die MQL-zu-SQL-Quote und ROAS bzw. ROI zum Kern. Im SaaS-Geschäft kommen MRR, Churn und Net Revenue Retention hinzu.
Wie berechnet man den CAC?
Du teilst die gesamten Marketing- und Vertriebskosten eines Zeitraums durch die Zahl der in diesem Zeitraum gewonnenen Neukunden. Bei 100.000 Euro Kosten und 250 Neukunden liegt der CAC bei 400 Euro.
Was ist der Unterschied zwischen ROAS und ROI?
ROAS setzt den Umsatz aus Anzeigen ins Verhältnis zu den Werbekosten. Der ROI berücksichtigt dagegen den Gewinn nach Abzug aller Kosten und zeigt damit, ob sich eine Maßnahme wirtschaftlich lohnt.
Was sind Vanity Metrics?
Vanity Metrics sind Kennzahlen, die gut aussehen, aber keine Entscheidung unterstützen, zum Beispiel Follower, Seitenaufrufe oder Impressionen ohne Bezug zu Umsatz. Sie können als Diagnosewerte nützlich sein, eignen sich aber nicht als zentrale KPIs.
