Nofollow: Was das Link-Attribut heute wirklich bewirkt

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Tobias Rendl

18. Mai 2026 · 11 Min. Lesezeit

Nofollow-Links: Händedruck vor einem Laptop als Symbol für Kooperationen und Verlinkungen

Nofollow ist eines der kleinsten Attribute im HTML-Code und trotzdem eines der meistdiskutierten Themen im Linkaufbau. Mit dem Zusatz rel=“nofollow“ teilst du Suchmaschinen mit, dass du für ein Linkziel nicht bürgen möchtest. Seit Google die Regeln 2019 geändert hat, ist die Lage allerdings deutlich komplexer, als viele alte Ratgeber behaupten.

Was bedeutet Nofollow?

Ein Link ist im Web mehr als eine Verbindung zwischen zwei Seiten. Suchmaschinen werten ihn traditionell als Empfehlung: Wer verlinkt, signalisiert Relevanz und Vertrauen. Genau aus diesem Grund sind Backlinks seit den Anfängen von Google ein zentraler Rankingfaktor.

Das Attribut nofollow schränkt diese Empfehlung ein. Google, Yahoo und Microsoft führten es 2005 gemeinsam ein, vor allem um Kommentarspam in Blogs unattraktiv zu machen. Wer massenhaft Links in fremde Kommentarspalten setzte, sollte davon keinen Rankingvorteil mehr haben.

Technisch sieht ein solcher Link so aus:

  • Normaler Link: <a href="https://example.com">Ankertext</a>
  • Link mit Attribut: <a href="https://example.com" rel="nofollow">Ankertext</a>

Für Besucher ändert sich nichts. Der Link ist klickbar, führt zum Ziel und sieht genauso aus wie jeder andere. Der Unterschied betrifft ausschließlich die Art, wie Suchmaschinen den Link interpretieren.

Dofollow gibt es eigentlich nicht

Im SEO-Jargon ist oft von Dofollow-Links die Rede. Ein Attribut rel=“dofollow“ existiert jedoch nicht. Gemeint ist schlicht ein Link ohne einschränkendes rel-Attribut. Google braucht für normale Links keine Kennzeichnung und folgt ihnen standardmäßig.

Im September 2019 hat Google das System erweitert. Neben nofollow gibt es seitdem zwei weitere Werte, mit denen du die Art einer Verlinkung genauer beschreibst. Die offizielle Google-Dokumentation „Ausgehende Links eingrenzen“ beschreibt sie so:

  • rel=“sponsored“: für Werbung, bezahlte Platzierungen, Affiliate-Links und andere Links, für die Geld oder eine Gegenleistung geflossen ist.
  • rel=“ugc“ (user-generated content): für Links in nutzergenerierten Inhalten wie Kommentaren und Forenbeiträgen. Bei vertrauenswürdigen Stammnutzern darf das Attribut laut Google entfallen.
  • rel=“nofollow“: für alle Fälle, in denen die anderen beiden Werte nicht passen und du die verlinkte Seite nicht mit deiner Website in Verbindung bringen möchtest.

Du darfst die Werte kombinieren, getrennt durch Leerzeichen oder Komma, etwa rel="ugc nofollow". Für bezahlte Links bleibt das ältere nofollow laut Google zulässig, bevorzugt wird aber sponsored. Wer seine Altbestände also nicht umstellt, verstößt damit nicht gegen die Richtlinien.

Nofollow im HTML-Code: Zeilen mit Quelltext auf einem Bildschirm
Ob ein Link markiert ist, steht im rel-Attribut des Quelltexts. Foto: Unsplash

Seit 2019 ein Hinweis statt einer Direktive

Die wichtigste Änderung betrifft nicht die neuen Attribute, sondern die Behandlung von nofollow selbst. Bis 2019 war das Attribut eine Direktive: Google folgte solchen Links nicht und berücksichtigte sie nicht fürs Ranking. Mit der Ankündigung im Google Search Central Blog vom September 2019 wurde daraus ein Hinweis (Hint).

Für das Ranking gilt das seit der Ankündigung. Für Crawling und Indexierung hat Google das Hint-Modell zum 1. März 2020 eingeführt. Seither entscheidet Google selbst, ob es einen markierten Link als Signal nutzt oder ignoriert.

Was heißt das praktisch?

  • Ein Nofollow-Link überträgt in der Regel keine Linkkraft. Google kann ihn aber nutzen, um Zusammenhänge besser zu verstehen, etwa Linkmuster oder den Kontext einer Erwähnung.
  • Google folgt solchen Links meist nicht. Die verlinkte Seite kann trotzdem gecrawlt und indexiert werden, zum Beispiel über eine Sitemap oder über andere Links.
  • Wie stark Google einen einzelnen markierten Link gewichtet, ist nicht öffentlich. Jede Prozentangabe, die du dazu im Netz findest, ist Spekulation.

Wann du Nofollow setzen solltest

Die Frage, ob du ein Link-Attribut setzen musst, ist keine Geschmacksfrage. Googles Spam-Richtlinien zählen gekaufte oder getauschte Links, die Rankings beeinflussen sollen, zu den Linkschemata. Wer sie ohne Kennzeichnung setzt, riskiert manuelle Maßnahmen oder eine algorithmische Abwertung.

Pflichtfälle

  • Bezahlte Links und Werbung: Anzeigen, gesponserte Artikel, Produktplatzierungen mit Link. Hier gehört sponsored hin, nofollow ist weiterhin erlaubt.
  • Affiliate-Links: Sobald du provisionsbasiert verlinkst, ist eine Gegenleistung im Spiel. Auch hier passt sponsored.
  • Links gegen Sachleistungen: Wer ein Testprodukt erhält und im Gegenzug verlinkt, sollte den Link ebenfalls kennzeichnen.

Sinnvolle Fälle

  • Kommentare und Foren: Nutzerlinks erhalten ugc, oft kombiniert mit nofollow.
  • Quellen, für die du nicht bürgen willst: Du zitierst etwa eine fragwürdige Website, um sie kritisch einzuordnen. Hier verhindert das Attribut, dass dein Link als Empfehlung gilt.
  • Widgets und eingebettete Elemente: Links in Badges, Embeds oder Footer-Widgets, die du an Dritte verteilst, sollten keine versteckte Linkkraft transportieren.

Wo das Attribut keinen Sinn ergibt

Viele Seitenbetreiber setzen das Attribut reflexhaft auf jeden externen Link, aus Angst, „Linkkraft zu verlieren“. Das ist ein Missverständnis. Links auf seriöse Quellen wie Studien, Behörden oder offizielle Dokumentationen gehören zu gutem Journalismus. Sie schaden deiner Website nicht.

Auch für interne Links ist das Attribut das falsche Werkzeug. Google rät in der genannten Dokumentation ausdrücklich davon ab. Willst du verhindern, dass Google einen Bereich crawlt, nutzt du die robots.txt. Soll eine Seite nicht im Index erscheinen, setzt du ein noindex über das Robots-Meta-Tag und lässt das Crawling dabei zu. Das früher beliebte „PageRank-Sculpting“ mit intern markierten Links funktioniert nach Googles eigenen Aussagen seit Jahren nicht mehr wie gedacht.

Lange galt im Linkaufbau die Faustregel, dass nur Links ohne Attribut zählen. Diese Sicht greift zu kurz. Ein Nofollow-Link von einer reichweitenstarken Seite kann mehr bewirken als zehn normale Links von irrelevanten Blogs.

Direkter Nutzen: Traffic und Reichweite

Ein Link ist zuerst ein Weg für Menschen. Wenn ein großes Nachrichtenportal, ein Fachforum oder eine Community auf deinen Artikel verweist, klicken Leser. Diese Besucher sind oft hochqualifiziert, weil sie bereits Interesse am Thema mitbringen. Viele große Plattformen versehen externe Links grundsätzlich mit einem Attribut, Wikipedia zum Beispiel. Den Traffic schmälert das nicht.

Indirekter Nutzen: Sichtbarkeit und Folgelinks

Eine Erwähnung in einem viel gelesenen Medium bringt deine Marke vor Journalisten, Bloggerinnen und Fachleute. Einige davon greifen das Thema auf und verlinken dich später ohne Attribut. Genau so entstehen in der Digital PR viele hochwertige Backlinks: als Folge von Sichtbarkeit, nicht als Tauschgeschäft.

Hinzu kommt der Hint-Charakter. Weil Google markierte Links seit 2019 als Hinweis behandelt, kann ein markierter Link aus einem thematisch passenden Umfeld durchaus als Signal einfließen. Garantieren kann das niemand.

Natürliches Linkprofil statt fester Quote

Ein organisch gewachsenes Linkprofil enthält immer eine Mischung aus Links mit und ohne Attribut. Das ergibt sich von selbst, weil viele Plattformen ihre Links kennzeichnen. Eine ideale Quote gibt es nicht, und Google hat nie eine genannt. Prozentwerte, die in manchen Ratgebern kursieren, sind nicht belegt.

Entscheidend ist eher die Frage, ob dein Profil plausibel wirkt. Hunderte Links ohne Attribut von themenfremden Seiten mit exakt gleichen Ankertexten sehen nach Manipulation aus, egal wie die Quote aussieht. Mehr dazu, wie du saubere Verlinkungen formulierst, liest du in unserem Ratgeber zu Ankertexten.

Link-Attribute und KI-Suche

Mit ChatGPT, Perplexity und Googles AI Overviews kommt eine neue Ebene hinzu. Sprachmodelle lernen aus Texten und bewerten Quellen, die sie bei der Websuche abrufen. Für die Frage, ob deine Marke in einer KI-Antwort genannt wird, ist nach heutigem Wissensstand vor allem relevant, ob und in welchem Kontext du erwähnt wirst. Ein dokumentierter Einfluss des rel-Attributs auf KI-Antworten ist nicht bekannt. Eine Erwähnung in einem relevanten Medium hat damit ihren Wert, auch wenn der Link markiert ist.

Nofollow und Linkprofil: miteinander verbundene blaue Netzwerkkabel
Links verbinden Websites. Das Attribut bestimmt, wie Suchmaschinen diese Verbindung lesen. Foto: Unsplash

Ob ein Link gekennzeichnet ist, lässt sich in wenigen Sekunden herausfinden. Je nach Ziel bieten sich unterschiedliche Wege an.

  1. Element untersuchen: Rechtsklick auf den Link, dann „Untersuchen“ in Chrome, Firefox oder Edge. In den Entwicklertools siehst du den a-Tag samt rel-Attribut.
  2. Quelltext durchsuchen: Öffne den Seitenquelltext (Strg+U bzw. Cmd+Option+U) und suche nach „nofollow“, „sponsored“ oder „ugc“.
  3. Browser-Erweiterungen: Verschiedene SEO-Erweiterungen heben markierte Links farblich hervor. Das spart Zeit, wenn du viele Seiten durchgehst.
  4. Backlink-Tools: Ahrefs, Semrush oder Sistrix zeigen für dein gesamtes Linkprofil, welche Links ein Attribut tragen, und lassen sich danach filtern.
  5. Crawler für die eigene Website: Tools wie Screaming Frog listen alle ausgehenden Links deiner Seite mit ihren Attributen auf. So findest du ungekennzeichnete Affiliate-Links.

Die Google Search Console zeigt dir zwar verweisende Websites, unterscheidet im Linkbericht aber nicht nach Attribut. Für eine saubere Analyse brauchst du daher eines der genannten Tools.

Nofollow in WordPress setzen

WordPress nimmt dir einen Teil der Arbeit ab. Seit Version 5.3 aus dem Jahr 2019 versieht das System Links in Kommentaren automatisch mit rel="nofollow ugc", wie das WordPress-Core-Team dokumentiert hat.

Für Links im Beitragstext hast du mehrere Möglichkeiten:

  • HTML bearbeiten: Im Block-Editor wählst du beim Absatzblock „Als HTML bearbeiten“ und ergänzt das rel-Attribut von Hand. Das funktioniert immer, ist aber fehleranfällig.
  • SEO-Plugins: Gängige Plugins wie Yoast SEO oder Rank Math erweitern den Link-Dialog um Schalter für nofollow und sponsored. Das ist der komfortabelste Weg für Redaktionen.
  • Regeln für externe Links: Einige Plugins setzen auf Wunsch automatisch Attribute für alle externen Links. Nutze das mit Bedacht, denn pauschal markierte Quellenlinks bringen dir keinen Vorteil.

Achte bei Links, die in einem neuen Tab öffnen, auf den Unterschied zu noopener und noreferrer. Diese Werte setzt WordPress häufig automatisch. Sie dienen der Sicherheit und dem Datenschutz und haben mit nofollow nichts zu tun.

Fünf Mythen über Nofollow

Rund um das Attribut halten sich hartnäckige Irrtümer. Diese fünf begegnen dir besonders oft.

Mythos 1: Nofollow-Links sind wertlos

Sie übertragen meist keine Linkkraft, liefern aber Besucher, Markenbekanntheit und manchmal Folgelinks. Seit 2019 kann Google sie außerdem als Hinweis berücksichtigen.

Mythos 2: Ausgehende Links kosten dich Rankings

Gute Quellen zu verlinken, schadet nicht. Es hilft Lesern und zeigt, dass dein Inhalt auf Fakten basiert. Markiere nur Links, für die du nicht bürgen willst oder für die eine Gegenleistung geflossen ist.

Mythos 3: Mit dem Attribut steuerst du die Linkkraft intern

PageRank-Sculpting ist ein Relikt. Google verteilt die Linkkraft einer Seite nicht einfach auf die verbliebenen Links um. Für die Steuerung des Crawlings sind robots.txt und noindex gedacht.

Mythos 4: Gekaufte Links sind mit Nofollow wirkungslos, also egal

Bezahlte Links mit Attribut sind ausdrücklich erlaubt. Ihr Zweck liegt dann in Reichweite und Werbung, nicht im Ranking. Problematisch wird es nur, wenn bezahlte Links ohne Kennzeichnung Rankings beeinflussen sollen. Die Risiken dieses Modells beschreibt unser Beitrag zum Thema Backlinks kaufen.

Mythos 5: Du brauchst eine feste Quote markierter Links

Es gibt keine von Google genannte Zielmarke. Eine Strategie, die gezielt markierte Links sammelt, um eine Quote zu erfüllen, ist genauso künstlich wie der umgekehrte Fall. Konzentriere dich auf Erwähnungen, die zu deinem Thema passen.

Für eine durchdachte Linkbuilding-Strategie folgt daraus ein klarer Grundsatz: Bewerte jede Linkchance zuerst nach Relevanz und Reichweite, erst danach nach dem Attribut. Ein Interview in einem Fachmagazin, eine Nennung in einer Studie oder eine Empfehlung in einer aktiven Community zahlen auf deine Marke ein, unabhängig vom Code.

Gleichzeitig solltest du deine eigene Website sauber halten. Prüfe regelmäßig, ob Affiliate-Links, Kooperationen und Werbeplätze korrekt gekennzeichnet sind. Gerade auf älteren Seiten finden sich oft Links aus früheren Partnerschaften, die nie markiert wurden.

Fazit

Nofollow ist kein Schalter mehr, der Links für Google unsichtbar macht. Seit 2019 behandelt Google das Attribut als Hinweis und hat es um sponsored und ugc ergänzt. Für dich bedeutet das: Kennzeichne bezahlte und nutzergenerierte Links korrekt, verlinke seriöse Quellen ohne Angst und verzichte auf interne Tricks.

Im Linkaufbau lohnt sich ein nüchterner Blick. Ein Nofollow-Link von der richtigen Seite bringt Besucher, Vertrauen und oft weitere Erwähnungen. Wer nur auf das Attribut schaut, verschenkt diese Chancen.

Häufige Fragen zu Nofollow

Was ist der Unterschied zwischen Nofollow und Dofollow?

Ein Nofollow-Link trägt das Attribut rel=nofollow und signalisiert Suchmaschinen, dass du nicht für das Linkziel bürgst. Dofollow ist kein echtes Attribut, sondern bezeichnet umgangssprachlich einen normalen Link ohne Einschränkung.

Wann muss ich einen Link als sponsored oder nofollow kennzeichnen?

Immer dann, wenn für den Link Geld, eine Provision oder eine andere Gegenleistung geflossen ist, etwa bei Anzeigen, Kooperationen und Affiliate-Links. Google empfiehlt dafür sponsored, nofollow bleibt aber zulässig.

Bringen Nofollow-Links etwas für SEO?

Sie übertragen in der Regel keine Linkkraft, können seit 2019 aber als Hinweis in Googles Bewertung einfließen. Ihr größter Nutzen liegt meist in Besuchern, Markenbekanntheit und Folgelinks aus der gewonnenen Sichtbarkeit.

Wie erkenne ich, ob ein Link nofollow ist?

Klicke mit der rechten Maustaste auf den Link und wähle Untersuchen. In den Entwicklertools des Browsers siehst du, ob das rel-Attribut nofollow, sponsored oder ugc enthält. Für ganze Linkprofile eignen sich Backlink-Tools.

Sollte ich interne Links auf nofollow setzen?

Nein. Google rät davon ab, interne Links mit dem Attribut zu versehen. Um das Crawling zu steuern, nutzt du die robots.txt, und Seiten, die nicht im Index erscheinen sollen, versiehst du mit noindex.