Wie nutzen deine Wunschkunden Künstliche Intelligenz im Einkaufsprozess?
Alles beginnt mit einer radikalen Veränderung im Rechercheverhalten: Früher startete die Markenentdeckung und Produktauswahl fast ausschließlich bei Google oder auf Fachveranstaltungen. Heute beginnt der Großteil des Auswahlprozesses parallel an mehreren Touchpoints – darunter KI-Plattformen wie ChatGPT, spezialisierte B2B-Review-Seiten, soziale Medien und extern betriebene Diskussionsforen.
Die eigentliche Stärke der KI liegt darin, für deine idealen Zielkunden in Sekundenschnelle Longlists und Shortlists ihrer favorisierten Anbieter zu erstellen. Dabei suchen Nutzer spezifische Antworten und Vergleiche: Wer erfüllt den Purpose der Marke? Wer bietet das nachhaltigste, effizienteste oder transparenteste Produkt? Die KI agiert als kuratierender Türsteher – nur auf Basis öffentlich zugänglicher Inhalte, externer Erwähnungen und glaubhafter Rezensionen.
Wenn es um größere B2B-Deals geht, zeichnet sich ein Trend ab: Entscheidende Käufer erstellen ihre Anbieterliste auf Basis von KI-Analysen, weit bevor sie Kontakt zu einem Anbieter aufnehmen. Sie loten Leistungsversprechen, User-Bewertungen und Expertenmeinungen aus und schichten ihre Favoriten per Chatbot-Konversation immer wieder um. Nur der, der dauerhaft in diesen KI-Shortlists vertreten ist, hat eine echte Chance auf den Auftrag. Wenn du mit deinem Unternehmen in dieser entscheidenden Phase nicht auftauchst, ist es fast unmöglich, später noch in die Auswahl zu kommen.
Die neuen Fragen der KI-getriebenen Buyer Journey
Für dich als CMO heißt das: Du musst viel genauer wissen, wie deine Ideal-User Künstliche Intelligenz im Kaufprozess einsetzen – und was dabei über deine Marke im Netz steht. Käufer fragen heute gleich zu Beginn extrem spezifisch: Welche Agentur ist auf ethisches SEO spezialisiert? Wer liefert nachweislich skaliertes Wachstum für SaaS-Anbieter? Solche Fragen werden nicht zufällig gewählt, sondern basieren auf klaren Herausforderungen oder Messproblemen deiner Zielgruppe.
Diese Suchintentionen musst du verstehen. Sie zeigen dir, welche Themen und Argumente du in deinen Inhalten, in Case Studies und in Thought-Leadership-Formaten dringend abbilden solltest. Erfolgreiche Marken setzen dabei nicht mehr auf möglichst viel (irrelevanten) Content, sondern auf gezielte Beantwortung echter Schmerzpunkte ihrer Käufer – und das möglichst mit starken Drittquellen und unabhängigen Erwähnungen.
Empfiehlt die KI dich – oder deine Konkurrenz?
Willst du wissen, wie hoch deine tatsächliche AI Visibility ist? Dann darfst du nicht bei klassischen SEO-Metriken stehen bleiben: Klicks, Rankings oder Impressionen spiegeln die Wirklichkeit im KI-Zeitalter nur noch zum Teil wider. Viel entscheidender ist, wie oft und wie positiv deine Marke bei ChatGPT, Perplexity oder Google AI Overview im direkten Vergleich mit Mitbewerbern genannt wird. Dabei zählen sowohl Zitate mit Quellenlink, als auch reine Erwähnungen ohne Verlinkung.
Das Ziel: Taucht dein Angebot (insbesondere bei generischen, nicht markengebundenen Suchbegriffen) in den Antworten auf, steigerst du die Wahrscheinlichkeit, in der echten Endauswahl deiner Wunschkunden zu landen. Fehlt deine Marke, werden direkt die Mitbewerber empfohlen.
Was bedeutet das praktisch? Zum einen: Das Narrativ, das KI über deine Brand ausspielt, basiert auf einer Vielzahl von Quellen – von Bewertungsplattformen über branchenrelevante Blogs bis hin zu Community-Beiträgen und unabhängigen Vergleichsartikeln. Du bist, was andere über dich schreiben und wie sie dich einordnen: Ist dein Unternehmen laut externen Stimmen innovativ, zuverlässig, preisorientiert oder Sonderlösungsanbieter? Das Label, das die Künstliche Intelligenz dir zuweist, bleibt – ob es dir gefällt oder nicht.
Wie du deine Markenwahrnehmung steuerst
Deine Aufgabe ist es jetzt, die Anzahl und Qualität dieser Erwähnungen strategisch zu erhöhen. Baue Inhalte, die dich als Experten in deinen Kernkategorien positionieren und nutze dezidiert “Vergleichsformate” (z.B. “Agentur X vs. Y”, “Die besten Lösungen für FinTechs”). Sorg zudem dafür, dass du in unabhängigen “Best of”-Listen, Expertenrankings oder Testberichten auftauchst. Stärke deine Trust-Signale gezielt auf Plattformen, auf denen die KI ihre Informationen zieht – Reviews, Presse, LinkedIn, Fachcommunitys.
Nur so hebst du die “Share of Voice” deiner Marke im digitalen KI-Feld und baust langfristig ein positives Sentiment auf, das sich über viele Kanäle hinweg verfestigt.
Welche Quellen prägen das Bild deiner Marke in der KI?
Künstliche Intelligenzen arbeiten nicht im luftleeren Raum: Sie sammeln ihre Fakten aus den Inhalten, zu denen sie Zugriff haben – etwa Branchenlisten, Testberichte, Fachartikel, Vergleichsstudien, Video-Analysen, Social Media-Postings und Community-Erwähnungen. Um zu verstehen, wie die KI zu deiner Marke kommt, musst du die wichtigsten Signalquellen ermitteln und gezielt mitgestalten.
Im B2B-Marketing haben sich folgende Quellen mit besonders hohem Impact herauskristallisiert:
Fachportale und Best-of-Listen, in denen dein Produkt oder deine Dienstleistung empfohlen wird, gelten als stärkste Vertrauensbeweise gegenüber der KI, gefolgt von glaubhaften Nutzerbewertungen auf Plattformen wie G2, Capterra oder Branchenforen. Zudem gewinnt LinkedIn rasant an Bedeutung – insbesondere, wenn deine Thought Leader von anderen Branchenexperten namentlich zitiert und in Diskussionen eingebunden werden.
Achte bei deiner Quellenstrategie darauf, nicht nur eigene Inhalte zu veröffentlichen, sondern gezielt in Drittkanäle vorzudringen. Das erreichst du etwa durch gezielte PR, digitale Partnerschaften, Gastbeiträge oder das Pushen praxisnaher Case Studies in einschlägigen Medien.
Aktiviere Communitys und Aussagekraft auf mehreren Kanälen
Entscheidend ist es, ein Ökosystem aus eigener, externer und Community-getriebener Sichtbarkeit zu schaffen. Während LinkedIn als primäre Autoritätsquelle “harte Fakten” für die KI liefert, bringen branchennahe Foren, Subreddits und Diskussionsgruppen Volumen und Vielschichtigkeit. Bedenke, dass sinnvolle Markenpräsenz nicht immer Werbung bedeutet: Auch die konsequente, eigenständige Teilnahme an relevanten Diskussionen oder das Liefern von Expertenantworten in öffentlichen Threads stärkt deine Position deutlich.
Ist deine Organisation bereit, auf KI-Sichtbarkeit zu setzen?
Die berühmte “AI Visibility” ist keine Einzelaufgabe für dein Marketingteam. Echte Sichtbarkeit entsteht nur im engen Zusammenspiel von Marketing, Content-Erstellung, PR, Produktmanagement und Community-Betreuung. Denn jede dieser Einheiten liefert Impulse an die Schnittstellen, an denen die KI ihre Signale abholt.
Als CMO solltest du daher ein übergreifendes Framework aufsetzen, das von der ersten Quellenrecherche, über den Aufbau thematischer Autorität, bis hin zur systematischen Messung reicht. Starte mit einer präzisen Analyse deiner Kernzielkundengruppen: Wer sind sie, wo recherchieren sie, und welche Suchphrasen formulieren sie mit Künstlicher Intelligenz im Entscheidungsprozess? Wende im nächsten Schritt gezielt Ressourcen auf die Kanäle und Formate, die besonders oft als Quelle herangezogen werden.
Eine zentrale Überlegung betrifft die Kapazitäten und Prioritäten: Wieviel Budget steht für externe Experteninhalte zur Verfügung? Wie eng arbeitest du mit PR, Content- und Social-Teams zusammen, um wirkliche Lücken rasch zu schließen? Eine funktionsübergreifende Task Force sorgt für die Dynamik, die eine sich schnell verändernde Such- und KI-Landschaft heute verlangt.
Von der Strategie zum System: KI sichtbar machen
Der Aufbau nachhaltiger KI-Sichtbarkeit ist kein klassisches “Einmal-Workshop-Thema”, sondern laufend. Die erfolgreichsten CMOs etablieren ein wiederkehrendes Prioritätenmanagement, das alle Teammitglieder einbindet: Wer sorgt für mehr Erwähnungen in “Best-of”-Rankings extern? Wer publiziert praxisnahe KI-Fallstudien, die auf den Unternehmenskanälen diskutiert und verlinkt werden? Und wie wird die Entwicklung der Sichtbarkeit (Share of Voice, Sentiment, Drittquellen) transparent und nachvollziehbar getrackt?
Erfolgsmessung im KI-Zeitalter: Neue Metriken, neues Mindset
Ein Problem: Sichtbarkeit in Künstlicher Intelligenz ist nicht direkt messbar wie Klicks in Google Analytics. Aber sie wird messbar, wenn du konsequent die richtigen Stellschrauben überwachen lernst. Überprüfe regelmäßig: Wie oft erscheint deine Marke in KI-generierten Antworten für wichtige Kategorie-Begriffe? Wie wird die Marke von der KI beschrieben: als Premium, strategisch oder generisch? Welche externen Quellen werden am häufigsten genannt? Und: Korrelieren steigende KI-Erwähnungen mit spürbarem Zuwachs im Vertriebstrichter?
Die Entwicklung solltest du mehrmals jährlich überprüfen. Am wichtigsten ist dabei der sogenannte “Presence Gate”: Bist du überhaupt in den wichtigsten Shortlists der KI für deinen Bereich vertreten? Dann folgt der “Perception Gate”: Welches Image transportiert die KI über dich beim ersten Kontakt? Im “Source Gate” prüfst du, welche Drittquellen dich tragen – und zum Schluss im “Revenue Gate”, ob sich dieser spürbare KI-Erfolg im Pipeline-Wachstum niederschlägt.
Mach Schluss mit Blindflug – und beginne mit strategischer AI Visibility
Das Spiel wird nicht einfacher – doch es eröffnet enorme Chancen für Marken, die schnell verstehen, worauf es jetzt ankommt. Bleib nicht in alten SEO- und Content-Denkmustern stecken. Entwickle ein Bewusstsein für die neuen Hebel: Welche Quellen beeinflussen die KI-Bewertung und was kannst du in der Hand nehmen, damit deine Marke häufiger und positiver genannt wird? Organisiere deine Teams, optimiere deine Inhalte gezielt für KI-Auswahlprozesse und vernetze dich mit relevanten Communities. Der Gewinner der nächsten Jahre wird sich nicht mehr nur nach Clickzahlen und Rankingpositionen richten, sondern nach KI-basiertem Empfehlungswert. Starte diesen Weg jetzt – solange andere noch zweifeln.